Gesetzlicher Feiertag zum Reformationsjubiläum?

„In Norddeutschland mehren sich die Stimmen der Regierungschefs für einen gesetzlichen Feiertag zum 500. Reformationsjubiläum am 31. Oktober 2017. Nach Bremens Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) stellte sich auch Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) hinter diesen Vorschlag der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).“ (epd vom 6.12.2012)

Hoffentlich bleiben die niedersächsischen Landeskirchen nicht wort- und tatenlos daneben stehen. Sollte der Reformationstag über den besonderen einmaligen Anlass im Jahr 2017 hinaus wieder zum regelmäßigen Feiertag werden, ist ein kluger und konstruktiver Umgang vonseiten der Kirchen damit nur wünschenswert. Wir sollten nicht allzu selbstverständlich wieder zur normalen Gottesdiensttradition zurückkehren. Zweifellos gehört das Element der Verkündigung zum Kernbestand protestantischer Identität und sollte von einem solchen Tag selbstverständlich nicht verbannt werden. Der z.T. engagierte und kreative Umgang mit dem besonderen Werktag in den zurückliegenden zwei Jahrzehnten hat aber auch andere, interessante Formate hervorgebracht und schon kleine Traditionen begründet, die durchaus weiterentwickelt werden sollten.

Ein regelmäßiger Gedenktag zur Reformation dürfte gern dialogischer, informativer und vielfältiger sein, als die klassische Gottesdienstliturgie es zunächst nahelegt. Immerhin gäbe ein solcher Feiertag doch die Chance, ein zentrales Thema evangelischen Kirche- und Christseins wieder stärker in den gesellschaftlichen Diskurs einzuspielen. Der theologische Kern und die historisch damit auch verbundenen Ambivalenzen sollten dabei differenziert und pointiert in den Blick genommen werden. Das Anliegen der Reformation sollte auch nicht auf allgemeine ethische Prinzipien verkürzt werden (einen Tag der Menschenrechte gibt es ja schon: jährlich am 10. Dezember). Mut zur Theologie, Mut  zur öffentlichen (und für Dialogpartner offenen) selbstkritischen Überprüfung der Grundlagen und Konsequenzen dessen, was wir als Kirche in unserer Zeit sind und sein wollen.

Kirche muss sich in die Karten sehen lassen und ihre noch im Gang befindlichen internen Debatten in den öffentlichen Raum stellen. Sie kämpft ja nur mit einer Spielart derselben Probleme wie die anderen gesellschaftlichen Kräfte auch. Ihr Proprium ist dabei nicht eine fertige Botschaft, die sie nur wieder neu verpackt zu präsentieren hätte. Unser Proprium ist eine besondere Art und Richtung, nach Wegen und Antworten zu suchen. Dass wir öffentlich dazu einladen, diese besondere Suchbewegung zu beobachten oder an ihr mitzuwirken, darin liegt eine Chance gerade des Reformationstages.

 

Pressmitteilung der EKD: http://www.ekd.de/aktuell_presse/85654.html

Beckmann: Die Natur des Bösen

Dass wir am Abend unseres WORLD CAFÉ am Reformationstag 2012 mit dem Thema „Vergebung“ einen Nerv getroffen haben, zeigt u.a. das letzte Gespräch bei „Beckmann“. Ratspräsident der EKD Nikolaus Schneider hat in diesem sehr intensiven Austausch über „Die Natur des Bösen“ einige sehr einfühlsame und klare Worte zur Vergebung gefunden.

Beckmann: Die Natur des Bösen – kann jeder Mensch zum Mörder werden?

Donnerstag, 01.11.2012 23:15 Uhr im Ersten

Zu Gast sind u.a.: Nikolaus Schneider (Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland), Prof. Frank Urbaniok (Gerichtsgutachter) Carolin Emcke (Kriegsreporterin, Patenkind des von der RAF ermordeten Bankiers Alfred Herrhausen).

 

Reformationstag

Am 31. Oktober 2012 wird es von 18.30 bis 21.45 Uhr einen Abend in der Reihe „Wort und Musik zum Reformationstag“ mit der Aufführung der Bach-Kantate „Ein fest Burg ist unser Gott“ geben. Zum Thema „Ein Zeichen für Vergebung“ wird Impulsvortrag gehalten und gemeinsam in einem World-Café mögliche Anknüpfungspunkte in unserer Gemeinde erarbeitet.

 

Die Zeit der einsamen „Denker und Lenker“ ist heute in weiten Teilen der Gesellschaft und des wirtschaftlichen Lebens dem Prinzip der Partizipation und Teamarbeit gewichen. Unternehmen und Institutionen jeder Größe möchten zunehmend die Erfahrungen und die Kreativität möglichst vieler ihrer Mitarbeiter/innen für ihre Entscheidungsprozesse nutzen. Wichtig ist dabei, möglichst viele Ideen auf den Prüftisch zu legen und gemeinsam die Gedanken herauszufinden, die den größten
Erfolg oder die größte Gemeinschaft erwarten lassen.

Eine vor rund 15 Jahren eher zufällig von Juanita Brown und David Isaacs entdeckte, inzwischen aber sehr bewährte und bei Organisationen aller Art weit verbreitete Methode ist das „World-Café“-Verfahren. Dabei finden sich die Teilnehmer/innen an verschiedenen Tischen in zufälliger Zusammensetzung im „Café“ ein und kommen miteinander ins Gespräch – je nach Ziel der Veranstalter oft zu einer bestimmten Frage der Organisation. Das methodisch gestaltete Gespräch lässt eine Gemeinschaft des Lernens und des Wissensaustauschs entstehen; das Gespräch soll in offener und freier Atmosphäre geführt werden (wie im Café), und ihm wird eine generative,
schöpferische Kraft zuerkannt. Die in diesem Dialog entstehenden Gedanken und Ideen werden auf der „Tischdecke“, einem großen Bogen Papier, aufgeschrieben oder aufgezeichnet und weiter diskutiert. Nach einiger Zeit wechseln die Teilnehmer/innen an andere Cafétische und treffen dort auf neue Gesprächspartner. Zwei „Gastgeber“ bleiben an ihrem vorigen Platz, um die neuen Dialogpartner kurz in die bisherigen Ergebnisse einzuführen und ein sinnvolles Anknüpfen an das
Erarbeitete zu ermöglichen. Neue Einfälle und vertiefende Einsichten werden zusammengetragen, visualisiert, und so „wachsen“ und „reifen“ die Gedanken zu einem eindrucksvollen Ergebnis.

Diese Methode kann mit 20 Gesprächsteilnehmer/innen genauso wie mit 200 oder noch mehr durchgeführt werden. Es ist immer wieder beeindruckend zu beobachten, wie schnell die Teilnehmer/innen miteinander ins Gespräch kommen und wie tief sie schon in kurzer Zeit in das gestellte Thema eintauchen. Nach drei oder höchstens vier Gesprächsrunden sind fast alle über die gemeinsam erzielten Ergebnisse erstaunt und begeistert.

Was hat das in der Kirche zu suchen?

Ein eindrückliches Beispiel waren die WORLD CAFÉ – Gespräche über „Frieden und Versöhnung“ in der Dresdener Frauenkirche im Jahr 2007; auch die EKD-Synode hat im November 2011 erste Erfahrungen damit gesammelt. Dass die evangelische Kirche diese Methode aufgreift, hat gute Gründe. Der Grundgedanke des „Priestertums aller Getauften“ ist ein Anliegen der Reformation gewesen und geradezu ein Markenzeichen des Protestantismus; pointiert und durchaus im Sinne Luthers gesprochen: „Wir sind Papst!“ Den sogenannten „Laien“ wird auch in theologischen und geistlichen Fragen volle Kompetenz und Urteilsvermögen zuerkannt in der Erwartung, „dass vielleicht Gott doch durch den Laienstand seiner Kirche helfen wollte“ (Martin Luther). Durch Christus wird uns allen alles geschenkt, was wir zum Glauben, zum Leben aus dem Glauben und zum Kirche-Sein brauchen. Kein Einzelner weiß und kann alles, es bedarf der Zusammenarbeit aller (vgl 1. Korinther 12). Aber wie kann dieser Grundgedanke einmal in die Tat umgesetzt werden, ohne dass es chaotisch wird? Trotz des wunderbaren Grundsatzes sind wir – aus Angst vor Unordnung und mangels
hilfreicher Methoden – doch in weiten Teilen eine „Pastorenkirche“, also eine auf die ordinierten AmtsträgerInnen fixierte Institution.

Die Methode des World-Café bietet eine konkrete Möglichkeit, das alte protestantische Prinzip einmal konkret werden zu lassen. Ein engagiertes Team unserer Kirchengemeinde trifft sich seit Herbst 2011 und bereitet für Reformationstag 2012 eine neue Veranstaltung in der Reihe „Wort und Musik zum Reformationstag“ vor. Neben einer Kantatenmusik soll auch die Methode des World-Café eingesetzt werden. Referenten für Impulsbeiträge zum Thema sind angefragt. Motto und zugleich Themenstellung Vortrag und Gespräche: „Zeichen setzen für Vergebung“. Auf dem Vorbereitungsweg durch die zurückliegenden Monate lag die Wulff-Affäre, die sich verschärfende europäische Schuldenkrise. Und neben der großen Politik gibt es immer auch privaten Anlass, sich diesem Thema zu stellen. Wir laden herzlich dazu ein!

Im Namen des Vorbereitungsteams

Dr. Thomas Reimers
Landeskirchenmusikdirektor Claus-Eduard Hecker
Pfarrer Werner Busch

Luther zwischen Reality und Hollywood

Am Dienstag, 16. Oktober 2012 um 19:00 Uhr

Ort: Großer Saal Gemeindehaus St. Katharinen

Vortrag: Prof. Dr. Harald Meller, Direktor des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt und des Landesmuseums für Vorgeschichte, Halle.
Verantwortlich: Claus-Eduard Hecker und Werner Busch
Spätestens mit dem Film „Luther“ aus dem Jahr 2003, der in den Kinos und in mehreren Wiederholungen auch im Fernsehen lief, ist klar: Das Interesse an Martin Luther
ist ungebrochen. Neuere Funde an den Lutherstädten Mansfeld und Wittenberg
werfen ein neues Licht auf Kindheit und Alltagsleben des großen Reformators und
fordern eine Korrektur des Bildes von Martin Luther. Als Landesarchäologe von Sachsen-
Anhalt gibt Prof. Dr. Meller in seinem etwa 1-stündigen Vortrag überraschende Einblicke
in den aktuellen Forschungsstand.

Kurze Pause und Imbiss

20.15 Uhr: Luther – Spielfilm (2003), 118 Minuten
Regie: Eric Till, Hauptrolle: Joseph Fiennes